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Sprungbrett in ein neues Leben

Das LWL-Heilpädagogische Kinderheim in Hamm hilft Mädchen und jungen Frauen mit Migrationshintergrund in Konfliktsituationen. Zum Schutz verlassen die Mädchen ihr zuhause und bekommen eine neue Identität. Foto: LWL (l.); Adobe Stock (r.)

Konzept „Rabea“ des LWL-Heilpädagogischen Kinderheims Hamm unterstützt junge Frauen auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben – Erfahrungsbericht im Podcast

25.11.2021

Hamm (lwl). Ein anzüglicher Kommentar auf Facebook, eine unangenehme Berührung im Bus, Bevormundung durch den Partner oder die Familie – Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter. Anlässlich des am 25. November stattfindenden Tages gegen Gewalt an Frauen hat LWL-Aktuell das Heilpädagogische Kinderheim in Hamm besucht. Die LWL-Kolleg:innen haben 2008 das Programm „Rabea“ ins Leben gerufen und halten seitdem bis zu zwei Schutzplätze für Mädchen und junge Frauen bereit, die kurzfristig aus der Familie genommen und vor Gewalt im Namen der Ehre oder Zwangsverheiratung geschützt werden müssen. Vor Ort lernte LWL-Aktuell Mayla (Name geändert) kennen. Die junge Frau erzählt im Podcast von ihren Erfahrungen im Schutzprogramm „Rabea“ (Stimme zum Schutz verfremdet):

mp3-Link zum Podcast

„Es war alles vorgeschrieben: Wie hast du dich zu verhalten. Wie hast du dich zu kleiden. Wie gestaltest du deine Freizeit“, sagt Mayla. „Ich dachte mir, wenn du nicht gehst, wirst du es immer bereuen. Das Leben hat eigentlich viel mehr zu bieten, aber du wirst es nicht sehen, weil du die ganze Zeit zu Hause sitzt, heiratest und Kinder bekommst.“ Bereits mit 16 Jahren meldet sie sich beim Jugendamt. Die endgültige Entscheidung ihr Leben komplett hinter sich zu lassen und ganz woanders nochmal von vorne zu beginnen, trifft Mayla aber erst nach dem Abitur. Mit Hilfe des Jugendamtes und des LWL-Heilpädagogischen Kinderheims bekommt die junge Frau eine neue Identität. Doch die Anfangszeit ist schwer: „Erstmal hast du Angst. Du hast die größte Angst deines Lebens. Plötzlich steht man mit allen Entscheidungen alleine da und fühlt sich unfassbar alleine“, erzählt Mayla. „Danach merkt man irgendwann, dass man sich einfach frei fühlt. Dass einem die ganze Welt offensteht.“ Nach anderthalb Jahren nimmt sie dann trotzdem wieder den Kontakt zu ihrer Familie auf.

Wie sie sich in der Zwischenzeit weiterentwickelt hat und wie ihr Leben heute aussieht, lässt sich im Podcast nachhören.

Das gesamte Interview gibt es hier auch in schriftlicher Form.

 

Hintergrund: Schnelle Hilfe für Opfer einer Gewalttat

Wer Gewalt erfahren hat oder jemanden kennt, findet Unterstützung beim LWL-Amt für Soziales Entschädigungsrecht. Unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 654 654 6 berät der LWL Opfer einer Gewalttat und vermittelt Hilfe.

Viele LWL-Kliniken haben zudem Traumaambulanzen, in denen sowohl die Betroffenen als auch Angehörige und Zeug:innen schnelle Hilfe bei psychischen Problemen erhalten. Eine Liste aller Traumaambulanzen in Westfalen-Lippe gibt es hier.

Eine Übersicht über Hilfsangebote gibt es auch auf dem Opferschutzportal des Landes NRW.

Publikationsdatum: 25.11.2021
Themen: Jugend und Schule,  Audiodateien